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Stadträte kritisieren Marktamt-Pläne, Eros begin Petition

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Künftiger Weihnachtszirkus in Leipzig: Stadträte kritisieren Marktamt-Pläne, Eros startet Petition

Lder Weihnachtszirkus von Eros am Cottaweg: Laut Plänen im Marktamt dürfen die Leipziger zur Jahreswende nicht mehr aufs Areal.

Leipzig. Die Emotionen kochen hoch. “Eine Frechheit”, schimpft ein Fan des Zirkus Aeros bei Fb, “warum will Leipzig einen Traditionszirkus zerstören?” auf diesen Stellplatz habt?“ Anlass der Debatte, die nicht nur im Netz geführt wird, ist der Beschluss des kommunalen Marktamtes, den Weihnachtszirkus am Cottaweg ab 2023 nicht mehr an den Zirkus Eros zu vergeben.

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Anfang December 2022 hatte das Amt das Leipziger Familienunternehmen informiert, von 2023 an mit einem internationalen Accomplice “ein neues und erweitertes, innovatives Konzept für einen Weihnachtszirkus auflegen zu wollen”, wie es die Stadt formuliert. Gemeint ist die niederländische Firma Stardust Worldwide, die bereits einen Weltweihnachtszirkus in Amsterdam und in Stuttgart betreibt.

Mehrwert erhofft

Von der Vergabe erhofft man sich im Rathaus einen bedeutenden Mehrwert für die Stadt, wirtschaftlich und in der medialen Wahrnehmung. Das Crew von Eros ist entsetzt. „Vom Weihnachtszirkus hängt unsere Existenz ab“, sagt Jaline Schmidt, Moderatorin und Sprecherin. Sie findet Unterstützung bei den Fraktionen im Stadtrat. In einem gemeinsamen Assertion kritisieren Linke-Fraktionschef Sören Pellmann und dessen Parteifreund Volker Külow die Neuvergabe. „Aeros verkörpert mit seiner Geschichte eine eigenständige Type der darstellenden Künste und zählt für uns zum schützenswerten immateriellen Kulturerbe.“

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Die Linke, CDU-Mann Falk Dossin („Diese Leipziger Zirkustradition muss erhalten werden“), Karl-Heinz Obser (AfD) und Grünen-Vertreter Bert Sander bemängeln, dass der Entschluss an der Ratsversammlung vorbei getroffen wurde. Weil in der nächsten Sitzung am 18. Januar ein Linke-Antrag und eine CDU-Anfrage zur Entscheidungsbeteiligung des Stadtrats thematiert werden, möchte sich die Kommune im Vorfeld zur Kritik nicht öffentlich äußern.

„Gründe nachvollziehbar“

Zur Besonnenheit mahnt Grünen-Stadtrat Sander. Er plädiert dafür, die Interessen von Eros wie auch die der Stadtverwaltung ernst zu nehmen und Gespräche aufzunehmen. „Es bringt nichts, vorschnell den Stab über die jeweils andere Seite zu brechen.“ Christian Schulze, kulturpolitischer Sprecher der SPD, gibt zu bedenken: „Die Entscheidung der Stadt für einen anderen Anbieter ist für den Zirkus Eros natürlich enttäuschend. Allerdings sind die Gründe für die Entscheidung nachvollziehbar, da es sich um eine weitreichende Neugestaltung des Konzepts eines Weihnachtszirkus handelt.”

Die wird vom Rathaus schon lange angestrebt, ausgelöst durch die Frage: Wie und mit wem lässt sich das oft antiquiert wirkende Style in die Moderne übersetzen und für größere Publikumskreise erschließen? Im Sommer 2021 legte Stardust Worldwide in Leipzig Pläne vor, die auf optimistic Resonanz stießen. „Zirkus hat Zukunft, wenn das Programm über die Nummernstruktur hinausgeht, wenn Ästhetik und Choreografie Emotionen wecken, wenn es auch ein Stück Theater ist“, sagt Henk van der Meijden, Chef von Stardust. „Das bieten wir und sind damit sehr erfolgreich.“

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Hohe Anforderungen

Dass ein Leipziger Unternehmen von den Plänen betroffen ist, erfuhr der Niederländer erst kürzlich. „Ich habe großen Respekt vor der Leistung von Familienbetrieben im Metier, aber die Stadt hat sich so entschieden. Wir können versprechen, dass wir die Anforderungen erfüllen.“ Kriterien für einen zukunftsfähigen Zirkusbetrieb sind laut Marktamt unter anderem: überregionale Anziehungskraft, ein Programm mit renommierten Akteuren bei weitestgehendem Verzicht auf Tiernummern, Eventkonzept mit Angeboten für Pre- oder After-Exhibits sowie Pausen, non-public Feiern, höherwertige Gastronomie über Bratwurst und Popcorn hinaus, On-line-Ticketing, ganzjähriges Advertising- und Kommunikationskonzept, eine aussagefähige Web site.

Sollte die Stadt Veränderungen wünschen, würde der Zirkus Eros darauf eingehen, sagt Sprecherin Schmidt. „Und auch wir haben hochkarätige Artisten aus aller Welt, moderne Laser-Technik, eine neue Sitztribüne und Zeltanlage.“ Für die älteren Besucher setze Eros noch das alte Zirkus-Programm mit Stay-Kapelle um, doch die studiere täglich moderne Songs ein. Laut Schmidt wächst die Besucherzahl jährlich: „Das Publikum ist begeistert und der Weihnachtszirkus nach 17 Jahren längst Custom. Wir kämpfen darum, sie fortführen zu können.” Das Angebot der Kommune, auf mehrere Jahre im März den Platz beziehen zu können, lehnt die Zirkusdame wegen Unwirtschaftlichkeit ab.

Während der gerade beendeten dreiwöchigen Residenz am Cottaweg haben sie und ihr Crew rund 3000 Unterschriften für den Verbleib gesammelt, on-line läuft noch eine Petition. Schmidt dankt für die breite Unterstützung und ist sicher: „Es ist noch nicht zu spät.“ Und tatsächlich: Die Entscheidung für Stardust ist laut Marktamt „nicht unumkehrbar, es sind grundsätzlich noch Verhandlungen möglich. Es liegt allerdings ein closing verhandelter Pachtvertrag vor.“

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