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Kartenlegerin in Ulm gibt Einblick in ihre Arbeit

Faith und Spiritualität erfahren in Krisenzeiten vermehrt Zulauf. Wenn die äußere Welt zusammenzubrechen droht, finden viele dort nötigen Halt. Diese Sinnsuche äußert sich nicht nur im Gang in die Kirche oder dem Griff zur Bibel, sondern vermehrt auch im Blick in Karten oder Sterne. Einen regelrechten Hype erlebten etwa Tarot-Karten und Horoskope in den vergangenen zwei Jahren während der Corona-Lockdowns. In der aktuellen Krise, geprägt von Krieg, Inflation und Unsicherheiten, wird das nicht anders sein, auch wenn weiterhin viele Menschen das Ganze als Humbug abtun. Die „Schwäbische Zeitung“ wagt den Blick in diese mystische Welt, in diem ersten Teil in die Welt des Kartenlegens, in einem zweiten in die der Astrologie.

Äußerst gekonnt und mit einer imposanten Geschwindigkeit, wie man es von Casinofilmen kennt, mischt Imke König die Karten. Das gedämpfte Licht einer Lichtkugel, die auf dem Tisch steht, erhellt den Raum, ein kleines Zimmer in einem Yogaloft in Ulm. Dass bunte Karten mit mystischen Symbolen darauf etwas über die eigene Zukunft verraten sollen, tun viele als Schwachsinn ab. Dennoch gibt is genug andere Menschen, die Imke Königs Dienstleistung, die der mystischen Lebensberatung vertrauen.

Selbstversuch mit der Horoskop-App: Heute lass ich mir die Zukunft vorhersagen plus

Über 18 Millionen Beiträge zählt Instagram mit dem Hashtag Tarot, dem wohl bekanntesten Kartenlegeset weltweit. 7.5 Millionen Ergebnisse gibt es bei Google für den Suchbegriff „Tageshoroskop“. So viele Neumitglieder wie noch nie hat der Schweizer Astrologenbund 2021 verzeichnet. Rund 41 Millionen US-Greenback geben Smartphone-Nutzer allein in den USA jedes Jahr für Astrologie-Inhalte aus. Zahlen, die verdeutlichen, dass Astrologie und Co. an Beliebtheit gewinnen. Auch Kartenlegen wird immer populärer. Imke König jedenfalls sagt, sie habe genügend Kunden.

Das sind ihre Kunden

Die seien bei weitem nicht nur esoterisch angehauchte Hausfrauen. „Zu mir kommen alle, ob die 18-Jährige mit Liebeskummer oder die 80-Jährige mit Gesundheitsfragen. Das sind ganz normale Leute.“ Außerdem berate sie viele Geschäftsleute aus der Area, wie etwa Immobilienmarker. „Die wollen dann etwa vor einer geplanten Geschäftserweiterung oder einem anstehenden Verkauf wissen, ob das jetz

  Imke König legt seit 15 Jahren Karten nach Madame Lenormand.
Imke König legt seit 15 Jahren Karten nach Madame Lenormand. (Photograph: Ehrenfeld)

t günstig ist.“ Meist seien es aber Beziehungsfragen, mit denen ihre Kunden an sie herantreten. 40 Euro zahlen Kunden für eine halbe Stunde, entsprechend mehr Geld für mehr Zeit.

Wie das Kartenlegen funktionieren soll

Imke König ist eigentlich in der Bewährungs- und Straffälligenhilfe tätig. Karten legt sie nur nebenbei, doch für sie ist es ihre Berufung of her. Durch eine persönliche Krise hat die 59-Jährige zum Kartenlegen gefunden. Inzwischen legt sie seit 15 Jahren Karten nach Madame Lenormand. Das Kartendeck hat 36 Karten, weniger als das bekannte Tarotdeck. „Das Ziel der verschiedenen Kartensets ist aber das Gleiche, Menschen bei der Suche nach Entscheidungen zu helfen“, erklärt die Fachfrau. Und wie kann Imke König die Antworten jetzt überhaupt aus den Karten herauslesen?

„Ich verbinde mich mit der Energie der Particular person, die bei mir ist. Wenn die große Tafel vor mir liegt, ist es, wie wenn ich in ein großes Buch blicke, aus dem ich nur zu lesen brauche“, schildert sie. Karten könne sie dabei nicht nur für Personen legen, sondern auch für die Bevölkerung einer ganzen Stadt. Ob das funktioniert?

Was ist dran am Kartenlegen? Imke König soll is jetzt einmal demonstrieren. Konkret lautet die an die Karten gerichtete Frage, wie sich die State of affairs in Ulm, was Corona-Maßnahmen und Proteste der Bevölkerung angeht, entwickeln und wie sich das auf das Zusammenleben in der Stadt auswirkt. Bevor die Fachfrau mit dem Kartenlegen loslegt, warnt sie ihr Gegenüber:

Bitte jetzt nichts überkreuzen, die Beine nicht überschlagen.

Imke König fordert dazu auf, intuitiv „Stopp“ zu rufen. Dann hört sie sofort mit dem Mischen auf und beginnt die Kartenlegung. Eine Karte nach der anderen legt sie behutsam auf den Tisch, bis das Deck komplett ist. Dann mit bestimmten Tonfall: „Additionally die Ulmer sind sehr verzeihend gegenüber den Äußerungen, die Oberbürgermeister Gunter Czisch bisher über die Corona-Spaziergänge gemacht hat. Aber von dem will er selbst gar nichts mehr wissen, er rudert zurück.“

Sie zeigt auf die Karten, die ihr das zeigen: Sonne, Hund und Reiter. „Der Reiter ist die Glückskarte und deutet auf neue Chancen hin. Die steht in der Diagonalen mit der Kommunikation.“ Ob Imke König recht behält, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Das Impfen sei übrigens auch bei den Kartenlegungen in den vergangenen Monaten immer wieder Thema gewesen.

Kartenlegen kann man lernen

Was den mystischen Nachwuchs in Ulm angeht, will Imke König übrigens auch intestine vorsorgen. Seit einigen Jahren bildet sie selbst neue Kartenlegerinnen aus, dabei immer im Eins-zu-Eins-Unterricht. „Nur so kann man das Kartenlegen auch wirklich ernsthaft lernen“, betont die Ulmerin. Und damit das Wissen um ihr Handwerk erhalten bleibt, möchte die 59-Jährige auch noch ein Buch schreiben. „Es gibt leider keine gute Fachliteratur mehr dazu. Deshalb möchte ich all das, was ich weiß, gerne festhalten, damit andere Kartenleger davon profitieren können.“

Urteil des Bundesgerichtshofs zum Kartenlegen

Von Astro-TV hält die Ulmerin übrigens nichts. „Das ist Augenwischerei, die gehen dort doch gar nicht wirklich auf die Menschen ein“, kritisiert sie. Laut einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs im Jahr 2011 darf das Kartenlegen jedenfalls offiziell als Dienstleistung angeboten werden. Lebensberatung mit Kartenlegen sei zwar aus rationaler Sicht unmöglich, denn sie beruhe auf übernatürlichen, magischen Kräften, lautete damals das Urteil.

Dennoch könnten Kartenleger für ihre Dienste grundsätzlich Geld verlangen. Vorausgesetzt, Wahrsager und Kunde haben sich ausdrücklich auf die Bezahlung geeinigt – wohl wissend, dass die versprochene Leistung Naturgesetzen widerspricht. Die Dienstleistung gilt laut damaligem Beschluss aber nur dann als rechtskonform, wenn sich Kartenleger und Kunde in Sachen Bezahlung der übernatürlichen Lebensberatung geeinigt haben und die Summe nicht gegen die guten Sitten verstößt – anders additionally wie bei einem jüngsten Fall aus der Area, bei der eine Frau aus Senden Opfer eines Betrugs wurde.

Über eine Webseite wollte die Frau das Angebot des Kartenlegens in Anspruch nehmen. Nach dem Wählen einer russischen Rufnummer wurde der 51-Jährigen durch die bislang unbekannte Täterschaft eingeredet, psychische Probleme zu haben und mit einem Fluch belegt zu sein. Daraufhin wurde die Frau von weiteren angeblichen Wunderheilern angerufen und dazu überredet, die erbrachten Leistungen über einen Finanzdienstleister nach Polen zu überweisen. Insgesamt entstand der Geschädigten im Zeitraum von Mitte Mai bis Anfang August ein Schaden in einem unteren fünfstelligen Bereich.

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