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„Häusliche Gewalt in Allen Kulturen“

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From: Laura Might

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Am 25. November ist internationaler Tag zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen, so haben es die Vereinten Nationen festgelegt. Auch in Bayern leiden Frauen vor allem im non-public Rahmen unter Männergewalt. Allein 2021 wurden bei der Polizei 19.249 Gewalttaten angezeigt.

Landkreis München – Blaue Flecken, gebrochene Knochen, sexuelle und psychische Ausbeutung – Cornelia Trejtnar hört jeden Tag heftige Geschichten. Die gelernte Bankkauffrau und Sozialpädagogin arbeitete 16 Jahre lang in der stationären Jugendhilfe, bevor sie 2020 die Leitung der Landkreis-Frauenhäuser des Sozialdienstes katholischer Frauen München e. V.übernahm. Sie erklärt im Interview, warum häusliche Gewalt zunimmt und Kinder dabei oft vergessen werden.

Wohlstand, Gleichberechtigung, Rechtsstaatlichkeit – braucht es bei uns überhaupt Frauenhäuser?

Deutschland ist eines der Länder mit den meisten Femiziden in ganz Europa.

Femizid. Warum braucht is ein eigenes Wort für Morde an Frauen.

Weil Gewalt gegen Frauen Struktur hat, es handelt sich um Tötungen aufgrund des Geschlechts. Das wird auch medial oft nicht als Femizid bezeichnet und landet so in trivialen Randnotizen.

Sind Sie Feministin?

Gewalt geht einfach nicht, egal gegen wen. Das hat mit Feminismus erstmal nichts zu tun. Aber: Femizide sind Femizide.

Und im Idealfall kommen Frauen rechtzeitig zu Ihnen und entkommen so den Tätern.

Sie kommen über Freunde, Verwandte, Beratungsstellen oder die Polizei zu uns, nachdem sie häusliche Gewalt erfahren. Oft haben sie nichts. Entweder, weil sie schnell wegmussten oder weil ihre Männer ihnen Dokumente wie Go oder Geburtsurkunden der Kinder systematisch vorenthalten.

Was genau versteht man unter häuslicher Gewalt?

Übergriffe vonseiten der Männer gegen Frauen und Kinder. Das können die Ehemänner, Companion oder Brüder sein. Es geht um körperliche, sexuelle oder auch psychische Gewalt.

In welchem ​​Zustand sind die Frauen, wenn sie zu Ihnen kommen?

Wir haben immer wieder Fälle von Frauen, die wochenlang verletzt in der Klinik lagen und erst gesund werden müssen. Vielen Frauen wurde die Kontrolle über ihr Leben genommen. Ich hatte einen Fall, da ella durfte die Frau sieben Jahre lang nicht alleine die Wohnung verlassen.

Wie helfen Sie den Frauen akut, wenn sie vor ihrer Tür stehen?

Unsere Hauptaufgabe ist es, den Frauen Schutz vor den Gefährdern zu bieten. Sie körperlich und seelisch zurück ins Leben zu bringen. Sie bekommen ein Zimmer, Hilfe bei ihrer weiteren Planung ihrer weiteren Lebensperspektiven oder wir vermitteln externe psychologische Unterstützung.

Versuchen die Männer, ihre Frauen zu finden?

Immer wieder. Deshalb sind die Adressen der Frauenhäuser auch anonym. Bei besonderer Gefährdung werden Frauen aus anderen Bundesländern vermittelt, damit sie wirklich sicher sind. Immer wieder gibt es auch Männer, die Software program auf den Handys der Frauen installieren und sie so stalken oder kontrollieren.

Warum verlassen Frauen solche giftigen Beziehungen nicht schon früher?

Aus Angst. Es braucht sehr viel Mut, diesen Schritt zu gehen. Sie wurden oft jahrelang auf verschiedene Weise abhängig gemacht. Psychisch, beruflich oder finanziell. Da spielt auch der teure Wohnraum hier in der Area eine große Rolle. Die Frauen wissen oft nicht, wie sie sich ein Leben ohne Mann leisten können.

Ist häusliche Gewalt das Downside einer bestimmten Gruppe?

Nein. Häusliche Gewalt gibt es in allen Kulturen und Gesellschaftsschichten. Eine Frau mit einem guten Netzwerk und ausreichend finanziellen Mitteln hat aber natürlich andere Möglichkeiten, damit umzugehen, wie eine Frau, die nicht über solche Ressourcen verfügt. Noch schwieriger ist die State of affairs für Frauen mit Kindern.

Wie das?

In vielen Fällen fordern die Väter zeitnah wieder Umgang mit den Kindern ein. Familiengerichte und Jugendämter erwarten dann, dass sich die Frauen nach acht Wochen wieder mit den Tätern an einen Tisch setzen.

Und die Väter haben ein Recht darauf, ihre Kinder zu sehen?

Die Argumentation lautet oft: Er hat ja nur die Frau geschlagen, nicht die Kinder. Der Vater hat ein Recht auf Umgang. Das finde ich prinzipiell auch richtig. Für uns steht aber das Wohl des Kindes im Vordergrund.

Wie könnte man den Kindern besser helfen?

Es bräuchte einen psychologischen Fachdienst vor Ort, der sich gezielt um die Belastungen der Kinder kümmert. Es gibt Fälle, bei denen Frauen monatelang vor den Augen der Kinder misshandelt wurden. Da geht es nicht nur um Gewalt gegen Frauen.

Die Kinder binden Frauen additionally an ihre Männer.

Und die Männer spielen mit dem schlechten Gewissen und den Ängsten. Nach dem Motto: Du hast deinem Variety den Papa genommen.

Die Kinder stehen dann zwischen den Stühlen?

Ha, sie leiden oft stark. Auch wenn sie oft nicht selbst körperliche Gewalt erfahren haben. Man sieht schon nach einigen Tagen bei uns, dass sie ruhiger werden, durchschlafen oder nicht mehr Bettnässen. Viele Frauenhäuser haben damit zu kämpfen, dass Jugendämter und Familiengerichte unterschätzen, wie Kinder unter der Gewalt gegen ihre Mütter leiden. Oft haben sie ihr Leben lang mit den psychischen Folgen zu kämpfen.

Wie lange können die Frauen bei Ihnen bleiben?

Das Ziel ist, sie möglichst schnell in ein selbstbestimmtes Leben zu bringen.

Wie geht es dann weiter?

Das eigentliche Downside ist, das Plätze nicht mehr frei werden. Viele Frauen bleiben länger hier als vorgesehen. Vor allem bezahlbarer Wohnraum ist ein Downside, viele finden schlichtweg keine Wohnung, die sie sich leisten können. Anträge bei Behörden dauern oft Monate.

Ist der Bedarf in den letzten Jahren gestiegen?

Wir merken die wirtschaftliche Lage. Wennökonomischer Druck und Stress in schwierigen Beziehungen steigen, eskaliert die State of affairs schneller. Gewalt in engen sozialen Beziehungen hat in den letzten Jahren zugenommen. Inflation, Corona, Energiepreise und Wohnungsmangel tragen dazu bei.

Gibt is Hilfsangebote im Anschluss?

In unserem Modellprojekt Second Stage vermitteln wir Frauen geeigneten Wohnraum. Wir unterstützen sie beim Aufbau eines Netzwerkes und bieten psychosoziale Begleitung an. Ziel ist es, dass die Frauen mit Kindern den Mietvertrag der neuen Wohnung nach einem Jahr übernehmen. Alleinstehenden Frauen stehen Wohngemeinschaften als Übergangslösung zur Verfügung.

Bauen Sie personliche Beziehungen zu den Frauen auf?

Soziale Arbeit ist immer eine Mischung aus Nähe und Distanz. Wichtig ist, dass die Frauen Vertrauen zu uns aufbauen und Mut fassen – es geht nicht darum, sie in die nächste Abhängigkeit zu bringen.

Passiert es oft, dass die Frauen zurück zu ihren Männern gehen?

Die meisten, die den Weg in eine neue Zukunft gehen, schaffen es dann alleine. Das Schwierigste ist es, den Absprung zu schaffen.

Gibt es Hilfe für Männer, die sich ändern wollen?

Die Männerberatungsstelle MILK (Männerberatung im Landkreis München). Damit wird in unseren Augen viel zu wenig gearbeitet. Wir würden uns wünschen, dass der Umgang mit Kindern an so ein Angebot geknüpft ist. Die wenigsten Männer gehen dort freiwillig hin, aber es kann für Vater, Mutter und Kinder ein Weg sein, wieder ein besseres Verhältnis aufzubauen.

Frauen und Kinder im Blick: Frauenhausleiterin Cornelia Trejtnar bietet zumindest vorübergehend Schutz vor gewalttätigen Männern. Photograph: non-public © non-public

Hilfe im Landkreis München

Betroffenen Frauen können sich an folgende Stellen wenden:

Im Landkreis München gibt es zwei Frauenhäuser:

Frauenhaus 1: Tel. 089/451 25 49 90 frauenhaus-lkr-muc@skf-muenchen.de

Frauenhaus 2: Tel. 089/895 43 33 90 frauenhaus2@skf-muenchen.de

Neben den beiden Frauenhäusern verschiedene Stellen für Betroffene. Zunächst die eigene Interventionsstelle, erreichbar telefonisch unter 089/62 21 12 21, per Mail an interventionsstelle@lra-m.bayern.de or per On-line-Beratungsplattform interventionsstelle-landkreis-muenchen.de. Das virtuelle Zimmer finden Sie unter dem folgenden Hyperlink: t1p.de/ILM-Raum. Die Gleichstellungsbeauftragte ist telefonisch unter 089/62 21 24 95 oder per Mail an gleichstellungsstelle@lra-m.bayern erreichbar.

Zudem gibt es eine eigene Kinder- und Jugendfachberatung sowie das Modellprojekt MILK (Männerberatung im Landkreis München), eine Täterberatungsstelle für Männer. Auch Männer, die entweder bereits gewalttätig wurden oder dazu tendieren, brauchen und bekommen Hilfe. Kontakt telefonisch über 089/62 21 15 86 oder per Mail an maennerberatung.lkr.muc@bruecke-erding.de.

Weitere Hilfsangebote für Frauen, die Gewalt, Grenzverletzungen und sexuelle Übergriffe erlebt haben, sind die Beratungsstelle Frauennotruf, Tel. 089/76 37 37 oder die Krisenberatung Münchner Insel, Tel.

(Übrigens: Alles aus der Area gibt’s jetzt auch in unserem regelmäßigen Landkreis-München-E-newsletter.)

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